gegen das vergessen oder
die letzte reise der steine, bewahren von erinnerung an verstorbene, das dokumentieren von familiengeschichte, ein wenig festhalten von werten, die diese menschen vermutlich gelebt haben
es ist allerheiligen und allerseelen, und da kam mir eine idee als ich am friedhof wiedermal eine hunderunde machte … da steht doch glatt ein großer schutt container, da ragen steine raus … grabsteine …
und vielleicht kam mir diese idee nur, weil grade tod und verlust bei uns ein großes thema ist … also diese grabsteine sind da im container reingewürfelt … und als ich da mit der hand rübergestrichen habe bei nem grabstein (von adele liepmann und lse mayer - löst sich das L von der ehemals ILSE … es flutschte in meine hand, vergrub sich darin und löste einen große denkschleife aus und erinnerungen wurden wach …
meine freundin erzählte mir, dass sie einen bestatter mal gefragt hat, was mit dem stein ihres vaters passiert, da das nutzungsrecht erloschen ist … und der hat wohl geantwortet, dass die steine aufgemahlen und dem teer bei dem strassenbau zuggemengt wird!
das hat mich stutzig gemacht, denn irgendwie war meine “romantik” damit erloschen … pfff … da fahren dann autos drüber?
find ich nicht so schön, wobei ich ja auch nicht wüßte was man sonst so damit machen sollte … nun ja … ich begann fotos zu machen und bemerkte pinke sprühlack zeichen auf etlichen grabsteinen auf meinen friedhofsrunden … somit war klar . diese werden auch im container landen … also begann ich eine fotodokumentation zu machen und hoffte, dass ich alle wiederfinden werde … DENN!! ich möchte abdrücke von teilen der grabsteine machen … um sie so noch einmal “aufleben” zu lassen! ihre zeit hier zu verlängern und ihnen nochmal was edles zukommen zu lassen …. bestes mont blanc porzellan … fragmente dann anordnen als wandbild, als lichttafel, als laterne für kerzen … mit gold verziert oder ähnliches …
nun bereite ich das porzellan vor um abdrücke zu nehmen … ich glaub, dass ich mir es selbst auferlege, dass ich nur einen abdruck nehmen darf/kann … damit ich mich selbst einschränke … mal sehen ob ich das durchziehe! wo die reise hingeht - in welcher form es umgesetzt wird - man wird sehen …
und dann war ich tatsächlich zu langsam, das wetter zu schlecht oder sonst was - die stehen sind abtransportiert worden bevor ich abdrücke machen konnte! und das waren einige
das krasse ist, dass es anfangs große “narben” in die gräberlanfschaft gerissen hat, es mein auge und mein inneres gestört hat, das diese steine nun fehlen mit manchmal auch wilden pflanzenwuchs, und wird gras gesägt, die wiese heilt und irgendwie verschwimmt, das alte innere bild mit dem neuen aktuellen.
aber es hat die frage aufgeworfen, ob ich/man eine grabstätte braucht, ob man an einen ort gebunden sein muss … darüber denke ich heute noch nach und spreche auch mit meiner familie darüber und ich merke innerlich, dass sich das gefühl dazu phasenweise verändert

